Die Schenken auf unserer Clingenburg

Die staufische Burg ist die dritte bekannte Befestigung Klingenbergs. Sie lag auf einem Plateau in halber Höhe des Schlossberges über dem Maintal. Von ihren Vorgängerinnen  -eine frühmittelalterliche Anlage innerhalb eines keltischen Ringwalles auf der Kuppe des Berges, der Hainburg, und einer kleinen Turmhügelburg in der "Clinge", der Alten Burg, ist nichts näheres bekannt. In der Natur sind von beiden Bauwerken nur noch Erdveränderungen und Wälle, beziehungsweise ein künstlich überhöhter Hügel mit Halsgraben sichtbar.

 

Die heute als Ruine das Stadtbild mitbestimmende Clingenburg wurde um das Jahr 1100 vom Conradus colbo, dem Mundschenk Kaiser Friedrich Barbarossas, erbaut. 1177 nennt sich Conradus in einer in Venedig ausgestellten Kaiserurkunde, in der es um die Verlegung der oberitalienischen Stadt Feltre geht, erstmals nach seiner neuen Besitzung „Conradus prinzerna (Schenk) de Clingenburg“. Die aus dem Raum um Schüpf stammenden Schenken, nach ihrem Wappen mit fünf Streitkolben „Colbo“ genannt, saßen auch auf der Collenburg und auf Prozelten. Sie bauten sich in unserem Raum ein umfangreiches Herrschaftsgebiet auf.

Aus der Familie Colbo, die nicht nur am Main sondern auch in der alten Heimat im Schüpfer Grund, in Tief bei Bad Windsheim, auf der Limpurg bei Schwäbisch hall und auf der Neukastel nahe dem Trifels lebte, sind viele kaiserliche Hofbeamte hervorgegangen. Weiter ein Minnesänger, der unter dem Namen „der Schenke von Limpurg“ in die Manesse-Handschrift Aufnahme fand, sowie Äbtissinnen und Ordensritter. Der Deutschordens-Ritter Ludwig von Schüpf brachte es sogar bis zum Landmeister in Preußen. Ein Nachkomme des ersten Clingenburgers, Gottfried Schenk von Limpurg, wurde Bischof von Würzburg und erhielt im dortigen Dom ein herrliches Grabmal.

 

Von der staufischen Burg dürfte lediglich noch der Torbogen mit seinen hell‑dunkel wechselnden Steinen sowie die massiven Burgfundamente erhalten sein. Sie war Allod der Familie und nicht, wie viele Historiker behaupten, Lehen des Mainzer Erzbischof. Wahrscheinlich hat Conradus Frau den Komplex mit in die Ehe gebracht. Interessant ist die Verzahnung der Besitzgrenzen mit den Breubergern und Hinweise auf das Haus Henneberg.

Der Untergang der Staufer riss auch die Schenken mit in den Abgrund. Nur einem Sohn ‑Walter von Clingenburg‑ gelang es, durch Heirat mit der reichen Erbin Elisabeth von Königstein‑Reicheneck im Raum Nürnberg‑Hersbruck fuß zu fassen.

Ein anderer Bruder, Albert, trat in den Deutschen Orden ein und brachte diesem viele Güter zu. Conrad, der auf der Clingenburg lebte, war noch bei der Heirat König Conrads von Hohenstaufen mit Elisabeth von Wittelsbach anno 1246 in Augsburg dabei, kam aber wahrscheinlich in den damaligen Kriegswirren ums Leben. Guda, seine junge Witwe, brachte den ganzen Besitz um Klingenberg ihrem zweiten Mann, dem Edelherren Gottfried von Bickenbach, zu.

Adelheid vom Münzenberg, die Tante der Guda von Clingenburg, brachte damals die auf der Burg Krautheim lagernden Kronjuwelen auf den uneinnehmbaren Trifels. Sicher war ihr Guda, ihre Nichte, dabei behilflich. Auf dem Trifels existieren noch ein Übergabeverzeichnis der Adelheid, in dem erstmals genau aufgeführt ist, was zu den Kronjuwelen gehörte.

Guda, in zweiter Ehe mit der Edelherren Conrad von Bickenbach von der Bergstraße verheiratet, wurde die Stammmutter eines neuen Geschlechtes. Ihr zweiter Ehemann, der Minnesänger Conrad, war pasttreu und antistaufisch eingestellt. So ging man friedlicheren Zeiten entgegen. Die Bickenbacher lebten rund 250 Jahre auf der Clingenburg. Der Familie entstammen Domherren, Äbtissinnen, ein; Fürstabt, ein Meister des Deutschen Ordens und viele einflussreiche Männer. Selbst der Papst bat einmal einen Bickenbacher um Hilfe. Durch die Heirat mit Christine von Hohenberg kommt die große Herrschaft Hohenberg ob der Wern an die Familie. Drei künstlerisch wertvolle Rickenbach-Grabsteine aus jener Zeit werden im Münchner Nationalmuseum verwahrt. Die Bickenbacher waren mit vielen, einflussreichen Familien des Rhein-Main-Raumes verwandt. Die Stammmutter des Hauses Dalberg war eine Bickenbacherin, ebenso die Mutter des Mainzer Erzbischofs Dietrich von Erbach.

Nach dem Aussterben der Familie im Mannesstamm kaufte das Erzstift Mainz viele Anteile von Burg und Umland und war um das Jahr 1500 ganz im Besitz von Burg, Stadt und Herrschaft Clingenburg. Der mainzsche Amtmann Johann Leonhard Kottwitz von Aulenbach baute sich im Tal ein bequemes Stadtschloss und die Höhenburg zerfiel langsam, Dass sie von den Franzosen zerstört worden sei, ist eine Legende. Die Franzmänner haben sich bestimmt lieber an dem edlen Spätburgunder gütlich getan, als unbewohntes Gemäuer zu demolieren.

Um 1870, als Klingenberg in dem Reichtum schwelgte, der aus den Überschüssen des Tonbergwerkes kam, kauften die Stadtväter die Burgruine samt Umfeld und ließen sie als Festplatz herrichten, Seit 1891 fanden im Burghof sporadisch Burgspiele und Theateraufführungen statt. Und auch vornehme Gäste wie die bayerischen Könige oder Fürstprimas Carl von Dalberg speisten gerne in dem schattigen Gemäuer. Die Auffüllung des Burggrabens als Parkplatz und der Einbau eines Café-Restaurants in den letzten Jahrzehnten dienten zwar dem Fremdenverkehr, gereichten der Ruine jedoch keinesfalls zum Vorteil. Es ist unverständlich, dass das Landesamt für Denkmalpflege solche Verschandelungen zugelassen hat.

 

Dass seit dem Jahre 1994 wieder klassisches Theater im Burghof geboten wird, ist wohltuend.

 

Text Gudrun Berninger, Grafiken: Uni Heidelberg

letzte Aktualisierung: 07.04.2004